2016 Februar

Impulsveranstaltungen für Kita-Fachkräfte: Tolle Resonanz

Leiteten die Impulsveranstaltungen Susanne Diener, Julius Seelig, Kari Bischof-Schiefelbein, Carsten Gutschmidt

Leiteten die Impulsveranstaltungen Susanne Diener, Julius Seelig, Kari Bischof-Schiefelbein, Carsten Gutschmidt

„Beschweren erwünscht“ – so lautete der Titel einer Fachveranstaltung, die das Steinburger Amt für Jugend, Familie und Sport in Kooperation mit dem Kinder- und Jugendbüro der Stadt Itzehoe für pädagogische Fachkräfte angeboten hatte. Nun: Die rund 300 TeilnehmerInnen hatten jedenfalls keinen Grund zur Beschwerde. Durchweg positiv waren die Rückmeldungen auf die dreitägige Veranstaltungsreihe, in deren Mittelpunkt die Umsetzung des Bundeskinderschutzgesetzes stand, die Kindern das Recht gibt, in allen ihren Angelegenheiten gehört und beteiligt zu werden.

Wie kann eine Beteiligung von Kindern in Kitas aussehen? Während der Impulsveranstaltungen wurde nicht nur über Theorien diskutiert, sondern in Workshops praktische Methoden erarbeitet. „Wichtig ist, sich erst einmal seine eigene Haltung bewusst zu machen: Was nehme ich wie wahr? Wie kann ich ein Kind mit einbeziehen? Wie bringen gerade kleine Kinder Beschwerden zum Ausdruck?“, erklärt Susanne Diener, Kinderschutzfachkraft im Steinburger Jugendamt. „Da geht es zunächst einmal ums Zuhören, ums Wahrnehmen und darum Bedürfnisse zu erkennen.“ Beteiligung von Kindern in der Kita ist zuallererst eine Frage der Haltung der pädagogischen Fachkräfte und natürlich müssen auch die Eltern mit ins Boot geholt werden. Was bedeutet die Beteiligung in der Praxis? „Es geht nicht darum, dass Kinder alles bestimmen dürfen, sondern sie sollen an Entscheidungen beteiligt werden. Ein Kind, das lernt, sich einzubringen und auch zu bescheren, ist ein starkes Kind, das auch in der Lage ist, sich selbst zu schützen,“ betont Diener.
Intensiv und konkret haben sich die Fachkräfte während der Veranstaltung mit möglichen Methoden der Beteiligung auseinandergesetzt. Wo den Kindern vielleicht die Worte noch fehlen, können z.B. Symbole und Figuren zum Einsatz kommen.

Landesweit ist Steinburg einer der wenigen Kreise, die das Thema Beteiligung und Beschwerdemanagement in Kitas – mit finanzieller Unterstützung aus Mitteln des schleswig-holsteinischen Ministeriums für Soziales, Gesundheit, Wissenschaft und Gleichstellung –  so aktiv begleiten. Und Susanne Diener hat schon Ideen für den nächsten Schritt: Veranstaltungen zur Beteiligung von Kindern unter drei Jahren.

Quelle: Kreis Steinburg

2013 November

Multiplikatoren für Partizipation in Kindergärten? Demokratie-Export aus Schleswig-Holstein.

Achtzehn neuen Multiplikatoren für Partizipation in Kindertageseinrichtungen wurde Ende November die Fähigkeit bescheinigt, als eine Art „Demokratie-Entwickler“ wirken zu können. Mit ihrer Hilfe können Kitateams an drei Tagen eine demokratische Kita-Verfassung oder ein Partizipationsprojekterarbeiten. Erwachsenen gestehen Kindern in Kitas auf diese Weise fest verankerte Rechte zu. Gremien wie zum Beispiel ein Kinderparlament entstehen und Verfahren für die unterschiedliche Rechte auf Information, Anhörung, Mitwirkung oder gar Selbstbestimmung werden garantiert. In Projekten lernen die Kinder zusammen mit ihren Pädagogen wie Demokratie gelebt werden kann.

Dokumentation

18 neue Multiplikatoren Foto: Andreas Schönefeld

Dithmarschen an der Nordseeküste in Schleswig-Holstein hat nun auch eine Multiplikatorin. Kari Bischof-Schiefelbein, Leiterin der Kita Wolkenschloss in Neuenkirchen: „Das war die beste Fortbildung, die ich je hatte. Und ich bin ganz glücklich, dass zwei Kollegen aus der Fortbildung mit meinem Team und mir bei uns im Kindergarten ‚Wolkenschloss‘ unsere bisherigen demokratischen Verfahren weiterentwickelten.“

Ein Jahr lang bildete das Sozialministerium des Landes Schleswig-Holstein seine neuen Multiplikatoren zusammen mit dem Deutschen Kinderhilfswerk, der Fachhochschule Kiel und dem Institut für Partizipation und Bildung aus. Die nun abgeschlossene Ausbildung beruht auf dem bundesweit wegweisenden Konzept „Die Kinderstube der Demokratie“. Es wurde vor gut zehn Jahren hier im Norden entwickelt. Im Mittelpunkt stehen das Recht, Rechte zu haben, Bildung auch als Selbstbildung sowie Demokratiebildung. Vor vier Jahren wurden dann schon einmal Demokratie-Multiplikatoren ausgebildet. Mittlerweile ist die Demokratie-Entwicklung aus dem Norden in der ganzen Republik aufgegriffen und die Multiplikatoren sind bundesweit gefragt.

Exemplarisch für die 18 neuen Multiplikatoren aus ganz Schleswig-Holstein zitieren wir zwei weitere Nordseeanwohner, die Nordfriesen. Anke Petersen, Leiterin der AWO-Kita in Husum, sowie Andreas Schönefeld, Mitarbeiter in der Kita Bunte Welt in Niebüll und Autor dieses Artikels. Die Husumer Kita arbeitet schon seit einem Jahr partizipativ und entwickelte im Team eine Verfassung. Anke Petersen: „Kommen sie gerne vorbei. Bei uns sind jetzt Bildung und Partizipation untrennbar. Die Kinder habe nun in der Verfassung garantierte Rechte, um ihrer Entwicklung und Bildung mitzuwirken oder sie in Teilen selbst zu bestimmen“. Andreas Schönefeld, der sich auch als Kommunalpolitiker für Kinder- und Jugendbeteiligung einsetzt: „Das Land Schleswig-Holstein hat eine Demokratieoffensive ausgerufen und wir sind nun Teil dieser Bewegung. In dem wir, die an verschiedenen Stellen verbrieften Rechte der Kinder, in der Kita verankern, begegnen wir ihnen neu, bewusst und reflektiert auf Augenhöhe, von Mensch zu Mensch, im Dialog und das ist ein großer Schritt für die Demokratie und die Pädagogik“.

Kari Bischof-Schiefelbein, Anke Petersen, Andreas Schönefeld

Multiplikatoren für die Westküste: Kari Bischof-Schiefelbein, Anke Petersen, Andreas Schönefeld

Mehr zum Thema unter
www.partizipation-und-bildung.de.
…der ganze Artikel unter
www.andreas-schoenefeld.de